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Reisebericht Mai 2003 English
Durch die Mailingliste habe ich Lily kennen gelernt, die im gleichen Gebiet forscht wie ich. Inzwischen ist sie mir eine liebe Freundin geworden. Wir entschlossen uns in diesem Jahr gemeinsam nach Polen zu reisen. Da wir nicht in der gleichen Stadt wohnen, vereinbarten wir, dass wir uns im Staatsarchiv Bromberg treffen. Ich fuhr schon ein paar Tage früher hin. Am Samstag, den 26.5. startete ich in der Früh von München Richtung Polen. Ich hatte mich entschlossen die Route über Regensburg zu wählen, da diese Autobahn nicht so überfüllt ist. Das Glück war mir hold und ich kam ohne Staus durch. Erst am Grenzübergang Frankfurt/Oder musste ich eine Wartezeit von 1 Stunde in Kauf nehmen. Aber danach ging es zügig weiter. So kam ich abends gegen 20 Uhr in Zempelburg an. Dort quartierte ich mich in das einzige Hotel ein. Ich hatte zwar Pech, dass gerade eine Hochzeitsgesellschaft dort feierte und damit kein Zimmer mit eigener Dusche und Toilette verfügbar war, aber ich war zu müde um nach einem anderen Hotel zu suchen, denn in dieser Gegend gibt es nicht viele Hotels. Ausgeruht und voller Tatendrang konnte ich am nächsten Morgen meine Reise Richtung Pr. Stargard fortsetzen. Ich hatte ja schon einige Erfahrung und mir zu Hause alles herausgesucht wo und was ich recherchieren wollte. Als erstes führte mich mein Weg nach Konitz. Dort wollte ich den Tod einer meiner Ur-urgroßeltern im Kirchenbuch suchen, deren letzter, mir bekannter Aufenthaltsort, Steinberg in Kreis Konitz war. Ich kam gegen Mittag dort an und musste mich erst mal gedulden, da gerade eine Messe abgehalten wurde. Ich war ganz erstaunt wie gut die Gottesdienste in Polen besucht werden. Die Kirche war total überfüllt und die Menschen standen sogar auf der Strasse um daran teilzunehmen. Ich vertrieb mir die Zeit indem ich mir den Stadtkern ansah und ich war sehr angetan von dieser schönen und gepflegten Stadt. Natürlich habe ich auch einige Bilder gemacht. Endlich war es soweit. Die Messe war aus. Jetzt musste ich mich aber beeilen den Pfarrer zu finden bevor er verschwand. Konitz hat 2 Kirchen, die direkt neben bezw. hintereinander stehen. Ob eine davon evangelisch ist weiss ich nicht. Jedenfalls war die Messe in der grossen Kirche, die fast schon ein Dom ist und mehrere Geistliche hat. Die Kirche hat eine wunderbare Akustik und so konnte man den Gesang bis auf die Strasse hören. Zwischenzeitlich hatte sich auch die kleine Kirche gefüllt für den nächsten Gottesdienst. Der erste Geistliche, den ich traf, nahm mich mit in die Sakristei und dort sollte ich die Namen aufschreiben nach denen ich suche und dann war er weg. Aber so leicht wollte ich mich nicht geschlagen geben und suchte mir den nächsten Geistlichen. Keiner sprach deutsch, aber der Pfarrer bat eine der Gläubigen, die etwas deutsch konnte, zu übersetzten. Wir einigten uns darauf, dass ich in 2 Stunden wiederkomme und nach meinen Vorfahren suchen kann. Also ging ich erst mal zum Essen. Die Frau, die etwas deutsch sprach begleitete mich zu einem Restaurant um mir den Weg zu zeigen. Endlich war es Zeit wieder zum Pfarrer zu gehen. Die Suche war nicht so einfach, aber nach einer Stunde hatte ich es geschafft und konnte meine Reise fortsetzen. Jetzt ging es weiter nach Pr. Stargard. Nach einigem Suchen fand ich Konradstein. Erst mal ein paar Fotos und mal schauen ob vielleicht noch was aus alten Zeiten vorhanden ist. Konradstein hat einen eigenen Friedhof auf dem Gelände. Auch hier fand ich freundliche und hilfsbereite Menschen. Jetzt noch die kath. Kirche und dann nach Bromberg. Was glaubt Ihr was mich bei der Kirche erwartete? Na, wieder eine Messe! Und das abends um 6 Uhr. Also wieder warten bis die Messe vorbei war. Auch hier sprach niemand deutsch, aber sie holten einen älteren Herrn, der sehr gut unsere Sprache beherrscht. Der Pfarrer füllte mir ein Dokument mit der Totenbescheinigung aus und schenkte mir noch ein Buch über die Geschichte der Kirche. Es war gar nicht so einfach mich schnell wieder zu verabschieden, denn sie wollten sich gern mit mir unterhalten, doch dazu hatte ich nicht viel Zeit. Inzwischen war es schon 19 Uhr geworden und ich musste ja noch nach Bromberg. Zum Glück kannte ich ja schon das Hotel und wusste, dass es die ganze Nacht geöffnet hat. Das war ein erfolgreicher und erlebnisreicher Tag. Die nächsten 3 Tage verbrachte ich im Staatsinstitut. Diesmal war ein anderer Leiter da und der war sehr viel entgegenkommender. Im letzten Jahr gab es morgens und nachmittags je 10 Akten, egal wie schnell ich sie durchgesehen hatte. In diesem Jahr konnte ich so viele Akten bekommen wie ich schaffen konnte. Aber einen Wermutstropfen gab es auch. Die Preise sind in die Höhe geschnellt. Jetzt kostet eine Kopie schon 16 Sloty, das sind umgerechnet 4 €!!! So beschränkte ich mich auf Kopien meiner direkten Vorfahren und alle anderen schrieb ich nur ab. In diesem Jahr ging ich systematisch vor. Ich schaute jedes Jahr nach Geburten, Hochzeiten und Toten von den einzelnen Standesämtern durch. Diese Methode brachte viel Erfolg. So fand ich endlich auch die Hochzeit meiner Urgrosseltern Manowski. Sie hatten in einem anderen Ort geheiratet als ich bisher vermutete. Dadurch dass ich vorher schon alle Manowski gesammelt hatte, konnte ich endlich auch die Verbindung zu 2 weiteren Generationen herstellen. Inzwischen war Lily, eingetroffen. Sie hatte nicht viel wonach sie suchen wollte und so half sie mir, denn mittwochs schliesst das Institut schon um 3 Uhr nachmittags. Nun war der anstrengende Teil der Reise erledigt und wir konnten uns entspannt auf die Spuren unserer Vorfahren begeben. Zuerst machten wir uns auf den Weg nach Zempelburg, wo wir zum Pfarrer wollten. Dieser spricht sehr gut deutsch, ist freundlich und hilfsbereit. Wir übernachteten auch wieder in dem dortigen Hotel, diesmal aber mit eigener Dusche und Toilette. Das Hotel ist zwar sehr einfach, aber für uns war es der zentralste Ausgangspunkt, da wir uns noch einige Dörfer unserer Vorfahren in der Umgebung anschauen und den einen oder anderen Pfarrer besuchen wollten. Ausserdem hatten wir eine Einladung einer polnischen Familie aus der Umgebung. Die Wirtin des Hotels spricht sehr gut deutsch und wir hatten einige nette Gespräche mit ihr. So erzählte ich ihr von meinen Vorfahren bezw. die Namen nach denen ich suche. Dabei erfuhr ich, dass eine Frau Kriese ganz in der Nähe wohnt und sie arrangierte für mich ein Treffen mit ihr. Jetzt fehlten noch Lebensorte unserer Vorfahren. Lily hat ein gutes Auge für interessante Motive und die Schönheiten der Landschaft, also übernahm sie das Fotografieren. Manche Orte sind sehr schön und wir fühlten uns zum Teil in vergangene Zeiten zurückversetzt. Wie die jungen Pärchen an den verträumten Seen spazieren gingen oder die Kinder bei Tage dort spielten.
Abschliessend kann ich sagen, die Reise war sehr schön, erlebnisreich und auch sehr erfolgreich. Ich kann nun einige Daten ergänzen und habe an die 100 neue Vorfahren gefunden. Es war auch sehr schön polnische Menschen kennen zu lernen und zu erleben, dass es freundliche, hilfsbereite und sehr gastfreundliche Menschen sind. Am Ende der Reise stand für uns fest, wir kommen bald wieder! Vor allem macht es gemeinsam viel mehr Spass
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